Exklusiv inklusiv wohnen - Tagung in Reutlingen
Am 5. und 6.11.2010 fand in Reutlingen die erste bundesweite Tagung zu den sog. Lebensweltorientierten integrativen Wohngemeinschaften statt. Über 100 Teilnehmer waren gekommen, um die Erfahrungen der schon bestehenden WGs zu hören und mitzuerleben.
Zwei wissenschaftliche Vorträge führten in das Thema ein, der erste berichtete über neues Wissen zu Möglichkeiten des alternativen Wohnens für Menschen mit Behinderung (Prof. Johannes Schädler, Universität Siegen), der zweite von Prof. Jo Jerg von der Fachhochschule Ludwigsburg, der die WG in Reutlingen von Anfang an wissenschaftlich begleitet hatte, stellte die WGs in den Kontext der UN- Behindertenrechtskonvention.
Es geht darum, Wahlmöglichkeiten zu schaffen, auch für Menschen mit hohem Hilfebedarf, neue Lebensstrukturen aufzubauen und finanzielle Hilfen (außerhalb der gängigen stationären Versorgung) zu geben, damit dies gelingen kann.
Dann stellten sich die bereits existierenden WGs vor, die alle fast vollzählig angereist waren: Zwei WGs aus Reutlingen, die seit 1996 bzw. 2001 existieren, mehrere WGs aus München, deren erste bereits vor über 20 Jahren gegründet wurde und die WG aus Saarbrücken, die seit vorletztem Jahr zusammen wohnt und wo man ebenfalls schon die nächste WG plant.
Allen ist gemeinsam, dass dort Menschen mit Unterstützungsbedarf zusammen mit Menschen ohne Unterstützungsbedarf, zumeist Studenten, in einem Haus oder in einer Wohnung wohnen und letztere Dienste in der Nacht und am Wochenende übernehmen und dafür mietfrei wohnen. Zumeist sind es 4+4 oder 5+5 Personen. Es war beeindruckend zu spüren, wie diese Gemeinschaften funktionieren.
Jede der drei Städte hat ein anderes Finanzierungsmodell. Es wurde aber sehr deutlich, dass diese WGs nur mit der politischen Unterstützung der Kommune existieren können, da sie nicht in das übliche Raster der Finanzierung von Wohnraum für Menschen mit Behinderung fallen. Nur zusammen mit allen Beteiligten in der Sozialverwaltung und der Überzeugung, dass solch ein Modell aufgebaut werden soll, konnten die nötigen Bedingungen geschaffen werden.
Weitere Projekte haben sich auf den Weg gemacht, in Berlin, Göppingen und anderswo.
Wir können uns solch eine WG in Hamburg sehr gut vorstellen.

